21. Juli 2010 um 13:40
Anreise
Die Anreise am Freitag (16.07.) hat reibungslos geklappt. Wir sind gut nach Nürnberg gekommen und haben abends im Hotel eingecheckt, wo dann auch kurze Zeit später unsere zwei Teamkollegen, der angehende Profitriathlet Markus Thomschke und Läuferlegende Ralf Harzbecker eintrafen.

Rich beim Einrollen
Am Samstag kam dann noch auf den letzten Drücker unser speziell von Royalbikewear angefertigte Zeitfahranzug per Expresszustellung aus Portugal im Hotel an und wir konnten uns komplett ausgestattet auf die Strecke zur Besichtigung begeben. Mit dem Auto sind wir einmal um den 85km langen Kurs gefahren und Richard hat eine 30minütige Trainingseinheit absolviert. Bis auf einige Probleme mit der Schaltung, die schnell behoben werden konnten lief alles glatt. Anschließend haben wir das Rad dann in der Wechselzone I (Schwimmen -> Rad) abgegeben und uns zur Rennbesprechung begeben. Dann ging`s wieder zurück ins Hotel, wo nach dem Abendessen und einer kleinen Massage für Rich dann die Nachtruhe anstand.
Renntag
Richard und Markus wurden in der Wechselzone I ausgesetzt und Ralf in der WZ II. Marten und Ariane haben sich dann auf ihre Verpflegungsposten an der Radstrecke aufgestellt. Pünktlich um 8.40 Uhr ist Markus dann mit dem ersten Staffelblock in`s Rennen gegangen und kam nach sportlichen 54min aus dem Wasser gerannt, wo er dann den Transponder in der WZ and Richard übergab.
Richard ging mit 330 Watt auf die ersten 30min und noch 310 Watt auf die erste Stunde sportlich an konnte aber dann seinen Rythmus finden und kam problemlos durch das erste Drittel der Rennstrecke. Nach ca. 70km dann der Schreck: der rechte Auflieger vom Aerobar rutschte runter, da, wie sich später herausstellte, der Lenker eingerissen war. Dieser Riss setzte sich dann unter die Lenkerklemmung fort, was zu einem ständigen Nachvorneklappen des gesamten Lenkers führte. Ein aggressives Anfahren der Kurven, vor allem den Serpentinen auf der schnellen Abfahrt (Topspeed: 76 km/h) war ab der zweiten Rennhälfte nicht mehr möglich. Nach der Analyse der SRM-Daten kann man von einem Zeitverlust von 7-8min ausgehen.
Die Pinkelpause kostete auch nochmal ca. 1min und zur Krönung wurde Richard 5km vor Schluss auch noch von

Ralf war noch nicht ganz bei sich kurz nach dem Zieleinlauf...
einem Jurymotorrad aufgehalten. In einer uneinsehbaren Schikane kurz vor Schluss kam Richard auf einen vor ihm fahrenden Teilnehmer zugeschossen, welcher unvermittelt links rüberzog. Ohne Zeit um aus dem Auflieger an die Bremsgriffe zu kommen war Rich gezwungen zwecks Sturzvermeidung rechts zu überholen, was das Jurymitglied auf dem anwesenden Motorrad als Disqualifikationsgrund ansah. Nach kurzer Disskussion (1-2min) und trotz “roter Karte” fuhr Richard dann in die WZII und übergab an Ralf, welchen der Kommissär nicht mehr aufhalten konnte, da Rich im Gewusel der letzten zwei Kilometer vor der WZ schneller als der Kommissär auf seinem Motorrad war.
Ralf lief dann gazellenartig eine sportliche 2:51h auf den abschließenden Marathon. Trotz ausgesprochener roter Karte sind dann Markus und Rich, Ralf auf den letzten 200m begleitend gemeinsam als fünftschnellste Staffel ins Ziel eingelaufen.
Das Event
Vor allem riesig ist die Veranstaltung. Gut organisiert und mit einer super Stimmung an allen Streckenabschnitten, macht es Spaß sich zu quälen. Als nachteilig könnte man feststellen, dass es wohl eher etwas zu groß ist. Auf der Radstrecke kam es ständig zur Rudelbildung und regelrechten Staus bei den dünnen Zuschauerspalieren bergauf. Auch die Kommissäre waren etwas übermotiviert und haben fleißig gelbe und rote Karten verteilt, wie zuletzt bei der Fußball-WM. Ordnung muss sein, aber man darf auch nicht vergessen, dass es sich bei den Staffeln um Jedermänner handelt. Bei 3500 Athleten auf der Strecke lässt es sich nicht vermeiden, dass man mal eng auffährt, was Rene Obst, ein anderer Staffelradfahrer feststellen musste, als er 8min Zeitstrafe erhielt weil er auf seine Vorderman auf 9m statt 10m aufgerollt war. Auch Marco Appler, unser Läufer beim Ostseeman war in Roth als Radfahrer unterwegs und wurde verwarnt wegen Streckenverschmutzung, weil er versehentlich seine Flasche verloren hatte beim Zurückstecken in den Halter – als wenn der Verlust der Flasche nicht schon Strafe genug wär. Die Staffel von Andreas Niedrig (”Vom Junkie zum Ironman”) wurde in der WZ II disqualifiziert, da die Transponderübergabe an den nicht deutsch sprechenden Läufer 7m von der eigentlich dafür vorgesehenden Zone durchgeführt wurde. Ziemlich albern sagen wir da. Es soll ja nicht jeder machen, was er will, aber rote Karten ohne Vorwarnung, wie Bonbons auf der Kirmes zu verteilen ist ein bisschen übertrieben, vor allem bei den Jedermänner, die auch noch hunderte von Euros für einen Start hinlegen und nicht um Preisgelder oder Ranglisten konkurrieren. Fairerweise muss man aber sagen, dass der Veranstalter sich seiner Geldquelle sehr bewusst ist und ausgesprochene Rennausschlüsse scheinen von daher nicht immer hunderprozentig durchgesetzt zu werden. Zumindest standen wir in der Ergebnisliste nicht unter “DQ” sondern auf Platz 5.
Fazit
Es war ein spannendes und trotz kleiner Schwierigkeiten schönes Erlebnis, dass wir nicht missen möchten. Sportlich haben wir unser Ziel zwar nicht ganz erreicht, sind aber dennoch mit dem Erreichten zufrieden. 4:20h auf dem Rad mit der dritt schnellsten Zeit und einer effektiven Zeit von 4:10 nach Abzug aller “Missgeschicke” ist nicht weit weg vom Rekord. Auch Platz 5 von 500 Staffeln kann sich sehen lassen. In diesem Sinne erklären wir Roth zur Generalprobe und greifen nochmal richtig beim Ostseeman in 1,5 Wochen an.